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OK 24 Zinskommentar

Zinskommentar im Januar 2022

Die letzten Wochen des Jahres 2021 gehörten den Notenbanken. In allen Ländern gab es geldpolitischen Sitzungen – mit sehr unterschiedlichem Ausgang. Die spannende Frage: Wird 2022 das Jahr der Zinserhöhungen?

2021 noch ohne einschneidende Zinswende

Immobilienkäufer konnten 2021 weiter aufatmen. Aller Unkenrufe zum Trotz haben sich die Bauzinsen im Rückblick nicht wirklich verändert. Das Auf und Ab von Hoffen und Bangen in der Corona-Pandemie – zwischen Impf-Euphorie, einem ruhigen Sommer und der Sorge vor neuen Virusvarianten und Impfdurchbrüchen – beeinflussten die Zinsen erheblich weniger als zunächst angenommen.

Eines ist aber sicher: Die Zinsen verteuern sich in kleinen Schritten von Jahr zu Jahr. Das Jahr 2021 bildete da keine Ausnahme. Insbesondere die kurzfristigen, fünfjährigen Kredite legten um gut 0,25 Prozent zu. Insgesamt entwickelten sich die Kostensteigerungen aufgrund von Zinserhöhungen aber sehr moderat.

Zinsen zum Start 2022 – uneinheitliches Bild

Im Vergleich zum Dezember veränderten sich die Kosten der Baukredite zu Beginn des Januars 2022 recht uneinheitlich. Während die kurzfristigen Bauzinsen mit Laufzeiten von fünf bzw. zehn Jahren gestiegen sind, wurden Bauzinsen mit einer Zinsbindungsfrist von 15 bzw. 20 Jahren abermals günstiger.

Dass die kurzfristigen Bauzinsen mit einer fünfjährigen Bindungsfrist höher liegen als die normalerweise teureren 10-jährigen Zinsen ist selten. Wie bereits Mitte Dezember 2021, enteilten auch im Januar 2022 die fünf Jahre laufenden Kredite ihren länger laufenden Kollegen: Anfang Januar 2022 stiegen sie um 0,11 Prozentpunkte auf 1,05 Prozent (Vormonat: 0,94 Prozent). Die Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung stiegen moderat um nur 0,03 Prozentpunkte: Sie liegen jetzt bei 1,00 Prozent (Vormonat: 0,97 Prozent).

Minimal ging es mit den 15 Jahre gebundenen Krediten bergab: Sie liegen nun bei 1,26 (Vormonat 1,30) Prozent. Um üppige 0,10 Prozentpunkte veränderten sich die Zinsen der für 20 Jahre festgeschriebene Baukredite. Sie liegen aktuell bei 1,37 (Vormonat:1,47) Prozent.

Großbritannien – Bank von England erhöht Leitzins

Ein Blick nach Großbritannien. Im Jahr eins nach dem Brexit herrschte auf der Insel im Dezember Mangelwirtschaft. Pandemie plus Brexit ergaben eine explosive Mischung, die der britischen Wirtschaft in die Knie zwang. Die Bank von England machte deshalb Ende Dezember Nägel mit Köpfen. Als erste große Zentralbank erhöhte sie den Leitzins: von 0,1 auf 0,25 Prozent. Die Briten scheinen davon überzeugt – nur so kann der weiter steigenden Inflation entgegengewirkt werden.

Die Fed – Kehrtwende mit Ansage

Auch bei der Fed ist man gewillt der Inflation den Kampf anzusagen. Der neue im Amt – Jerome Powell – bestätigte ein Ende der Anleihenkäufe bis Ende März 2022 – und zwar vollständig. Anschließend solle es im neuen Jahr sogar noch drei Leitzinserhöhungen geben. Die Inflation in den USA führt bereits zu vielfältigen Effekten, die das Wirtschaftsgefüge durcheinanderbringen. Kaufkraftverluste bedingen Forderungen nach Lohnerhöhungen. Viele offene Stellen führen zu einem Nichts mehr ist zu hören von vorübergehend steigender Inflation – eine komplette Kehrtwende.

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Quelle: Baufi Lab / YouTube

EZB – Zinswende auch in Europa?

Was aber plant die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2022? Jörg Krämer, seines Zeichens Chefvolkswirt der Commerzbank, hält die komplette Einstellung von Anleihenkäufen und eine Erhöhung der Leitzinsen durch die EZB für angemessen – schließlich habe der Euroraum ein Inflationsproblem. Bei der EZB indes glaubt noch immer an das Gute – auch wenn die Inflation in der Eurozone im November 4,9 Prozent betrug und in Deutschland sogar glatte 6,0 Prozent erreichte, wollte sich Christine Lagarde Mitte Dezember 2021 nicht zu einer klaren Kurskorrektur durchringen.

Zwar wolle man das Anleihenkauf-Programm PEPP bis März 2022 zurückfahren, aber von einer Zinswende in Europa ist aber weiterhin nicht die Rede. Im Gegenteil!

Die Nullzinspolitik der EZB soll mindestens noch bis Ende 2022 weitergehen. Bei vielen Bankern trifft das auf Unverständnis. Für Immobilienkäufer hingegen könnte dies die zuletzt gestiegenen Bauzinsen erneut in die Knie zwingen. Auch 2022 scheint es ein gutes Finanzierungsklima für Häuslebauer zu geben!

Zinskommentar im Dezember 2021

Die Inflationsrate steigt weiter. Sie könnte eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, während die EZB vor überbewerteten Immobilienpreise und zu geringen Kreditabsicherungen warnt. Baukredite indes liegen bis Ende November seitwärts.

Im Oktober lag die Inflationsrate in Deutschland bei hohen 4,5 Prozent. Für November werden laut Statistisches Bundesamt sogar rund 5,2 Prozent erwartet. Die Preise für Energie und auch für Lebensmittel steigen in schnellen Schritten. Insbesondere bei Baumaterialien und bei Computerchips machen der Industrie außerdem Lieferengpässe zu schaffen. Es ächzt und knarrt an allen Enden.

Selbst erfüllende Prophezeiung: Inflation als Langzeitphänomen?

Viele – inklusive die Europäische Zentralbank (EZB) – meinen, dass die Inflation derzeit vor allem ein kurzfristiger Effekt sei, der sich spätestens 2022 wieder verflüchtigen werde. Die Inflation wird aber ein realer Beeinflussungsfaktor, wenn aufgrund einer hohen Preissteigerung jetzt Entscheidungen getroffen werden, die die Zukunft beeinflussen. So werden steigende Preise etwa als Argumente bei Lohnverhandlungen ins Feld geführt. Bei den Verhandlungen in den Tarifrunden zum Beispiel.

Was passiert? Es wird die Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt, die aufgrund von erwarteter Inflationsrate reale Lohnerhöhungen etabliert. Der Teufelskreis: Man verhandelt höhere Löhne in Erwartung höherer Preise. Das führt dann dazu, dass die hohen Preise auch kommen – infolge der höheren Löhne. Und zwar unabhängig davon, ob die steigenden Preise der ursprünglichen Annahme wirklich entstanden wären.

Blick zurück: die möglichen Inflations-Trigger

Steigende Preise haben häufig höhere Lohnforderungen nach sich gezogen. In den 1970er-Jahren wurde die Ölkrise zum Anlass für Lohnerhöhungen genommen und in den 1990er-Jahren strahlte die Wiedervereinigung auf die Lohnhöhe aus. Auch der soeben von der Ampelkoalition angekündigte Mindestlohn von 12 Euro wird dazu führen – so vermuten Experten – dass knapp darüber eingruppierte Arbeitnehmenden mehr fordern werden – allein schon, um den Abstand zur nächstniedrigeren Lohngruppe zu wahren. Auch die deutschen Mitarbeiten der Europäischen Zentralbank (EZB) fordern höhere Löhne. Da die EZB ihre Gehälter nicht standortspezifisch festlegt, fühlen sich die Mitarbeiter in Ländern wie Deutschland mit einer vergleichsweisen hohen Inflation besonders benachteiligt.

Billige Kredite sorgen für Überbewertungen

In der aktuellen Zinssitzung der EZB am 16.12.2021 könnte im Schatten der gestrigen FED-Ankündigung der immer noch sehr expansiven Geldpolitik der Zentralbank mit Nullzinsen und hohen Anleihekäufen bald die Luft ausgehen. Mit dem billigen Geld hat die EZB jahrelang die aktuell immer noch sehr niedrigen Bauzinsen getriggert – und damit das Tor für steigende Immobilienpreise weit aufgerissen. Nun scheint auch die EZB die Folgen ihres Handelns zu realisieren und einen neuen Kurs zu starten. Das verrät auch kürzlich veröffentlichte Finanzstabilitätsbericht der Zentralbank. Hier fällt vor allem der Teil auf, der sich mit der Bewertung von Immobilienpreisen und den damit eng verknüpften Bankkrediten beschäftigt. Preissprünge bei Immobilien in der EU von mehr als sieben Prozent im zweiten Quartal 2021 gäben Anlass zur Sorge! Hierzulande steigen die Preise noch schneller, weshalb die EZB die Wohnungsmärkte in Deutschland, aber auch in Österreich und den Beneluxländern für überbewertet hält.

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Immobilienpreise in Deutschland: bis zu 30 Prozent überbewertet?

Auch die Deutsche Bundesbank stimmt hier ein. Bei der Vorstellung ihres Finanzstabilitätsberichts ging sie spezifischer auf Deutschland ein. Laut Vizepräsidentin Claudia Buch lägen den Berechnungen zufolge, die Preise von Wohnimmobilien um zehn bis 30 Prozent über dem Wert, der durch Fundamentaldaten gerechtfertigt ist. Und zwar zunehmend auch außerhalb der Ballungsräume. Soll heißen: Die Immobilien sind oft schlichtweg weniger wert, als die aufgerufenen Preise vermuten lassen. Ein Problem, wenn Banken entsprechende Kredite ausgeben, die nicht durch reale Werte abgesichert sind. Insbesondere Kredite mit langer Zinsbindung stellen hier ein Risiko für die Banken dar, das es zu begrenzen gilt

Ausblick 2022: steigende Bauzinsen erwartet

Derzeit stagnieren die Bauzinsen nach mehreren moderaten Steigerungen noch – oder sie sinken sogar. Gelegenheit zur günstigen Finanzierung.

Denn 2022 könnte sich die Lage rasch ändern: Es gibt ver­schie­dene Fak­toren, die dafür spre­chen, dass die Zinsen ihren Boden erreicht haben und steigen werden.

Zinskommentar im November 2021

Trotz Rekord-Inflation vertagt die EZB geldpolitische Entscheidungen in den Dezember. Die Inflationserwartungen könnten eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, auch Baukredite haben sich im Oktober für alle Zinsbindungsfristen verteuert.

Nichtstun ist auch eine Strategie – zumindest, wenn es nach der Europäischen Zentralbank EZB geht. Diese entschied bei ihrer letzten Sitzung am 28. Oktober, wichtige Entscheidungen aufs nächste Mal zu verschieben. Der Leitzins bleibt also erstmal wie festgetackert bei 0,0 Prozent. Die Null steht da bereits seit fünfeinhalb Jahren. Banken müssen auch weiterhin 0,5 Prozent Strafzinsen für ihre Einlagen bei der EZB bezahlen. Alles bleibt beim Alten. Vielleicht ändert sich was in der letzten Sitzung des Jahres im Dezember?

Inflation bei 4,5 % – nur keine Panik

Eigentlich – so könnte man meinen – gibt es einiges zu tun. Die Inflation in der Eurozone lag im September gemäß Eurostat bei historisch hohen 3,4 Prozent. Eine so hohe Inflation gab es seit 2008 nicht mehr. Die Drei vorm Komma hat die Inflation in Deutschland längst hinter sich gelassen. Vorläufige Berechnungen gehen von 4,5 Prozent im Oktober aus. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hält den Ball flach und verkündet, dass es sich dabei nur um vorübergehende Steigerungen handele und sich alles im nächsten Jahr schon wieder regulieren werde. Friedrich Heinemann vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwartet für das Jahr 2022 die Stunde der Wahrheit. Wenn die Inflation nämlich aufgrund von real steigenden Preisen, den Kosten der Klimawende und der verstärkten regionalen Produktion –um weitere Lieferengpässe aus Fernost zu vermeiden – hoch bleibt, muss die EZB Farbe bekennen: Kann man sie weiterhin Hüterin der Preisstabilität nennen?

Psychologische Effekte der Inflation

Vielleicht ist die Inflation nur vorübergehend. Vielleicht sind es in Deutschland nur Nachholeffekte und die Wirkung der kurzzeitigen Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020. Ganz sicher haben die Nachrichten über immer höhere Inflationsraten aber einen psychologischen Effekt auf die Menschen. Die Ökonomin Kerstin Bernoth vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt dazu: „Das, was die Inflation derzeit treibt, sind vorübergehende Effekte, die aber leider alle gleichzeitig zusammenkommen.“ Sie ist Mitautorin einer aktuellen Studie, welche die Auswirkungen der Inflationstreiber untersucht.

DIW-Studie – die Treiber der Inflation

Zu den klassischen Treibern der Inflation gehören Lohndruck, Nachfrage- und Angebotseffekte. Die seien aber alle im grünen Bereich und würden sich mittelfristig wieder abschwächen. Die Lieferengpässe beeinflussen derzeit die Produktion weltweit, werden aber vermutlich bis Ende des Jahres im Sande verlaufen. Ein weitgehend entspannter Arbeitsmarkt sorge für eher moderaten Lohndruck. Insofern sieht die Studie auch bei der EZB derzeit kein Verschulden: Das etwas sture Festhalten an den getroffenen Maßnahmen sei okay, solange alle Preistreiber wirklich nur vorübergehend greifen.

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Inflationserwartungen und Kaufkraftverlust

Unheil droht aber trotzdem. Die große Gefahr gehe nicht von realen sondern von erwarteten Bedrohungen aus. Der psychologische Effekt der beobachteten Inflation kann nämlich zu einer Art sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden, berichtet Kerstin Bernoth: „Gehen die Konsumenten, aber auch die Unternehmen davon aus, dass die Preise weiter so steigen, werden die Menschen Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen.“

Im Konsumbereich gibt es bereits Angstkäufe, wie eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gezeigt hat: Immer mehr Bürger kaufen jetzt schnell noch ein, bevor die Preise womöglich noch höher steigen. Dadurch zeigt die Inflation ihre hässliche Fratze, weil die Preisstabilität auf diese Weise besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Daraus könnte sich eine Lohn-Preis-Spirale ergeben, die dazu führt, dass sich die Inflation verfestigt. Hier müsste dann die EZB tatsächlich mit Anpassungen bei der Geldpolitik einschreiten. Aber auch Politik, Wissenschaft und Medien sollten die Konsumenten darüber informieren, dass derzeit nicht die Inflation selbst, sondern vor allem die Erwartung von noch höheren Preissteigerungen gefährlich sind.

Für Baufinanzierer gilt – mehr Eigenkapital!

Deutsche Staatsanleihen sind ein sicheres Boot. Ihre Rendite hat sich allerdings verbessert. Zwar ist sie immer noch negativ, im Vergleich zum Sommer aber nicht mehr ganz so niedrig: Von ungefähr -0,4 Prozent ging es auf -0,2 Prozent hoch. Entsprechend stiegen auch die Zinsen für Baudarlehen.

Wird das so weiter gehen, werden sich Hauskäufer jetzt fragen. Ein Immobilienfinanzierer wie die Interhyp hat da eine eindeutige Antwort: „Käufer und Bauherren sollten (…) nicht auf niedrigere Zinskonditionen spekulieren, sondern ihr Vorhaben besser auf einer soliden Finanzierungsstruktur fußen.“ Da schwingt doch eine gewisse Torschlusspanik mit. Solidität zeigt sich übrigen vor allem in der Eigenkapitalausstattung von bau- und kaufwilligen Kunden, wie die Interhyp diagnostiziert.

Am besten mit einem Eigenkapitalanteil von 20 bis 30 Prozent und einer Anfangstilgung von mindestens 3 Prozent starten. Kurz- und mittelfristig sind bei der aktuellen Marktlage höhere Konditionen etwas wahrscheinlicher.

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Zinskommentar im Oktober 2021

3,9 Prozent – die Inflation in Deutschland galoppiert davon, die EZB lässt die Leitzinsen weiter im Keller, Kredite unterschiedlichster Zinsbindungsfristen bleiben weiter günstig. Das Gebot der Stunde lautet: Best-Zinsen nutzen.

Die Inflation in der Eurozone kletterte im August auf 3,0 Prozent. Deutsche Verbraucher traf es noch härter: knapp 4 Prozent! Länder wie Litauen, Belgien oder Estland nähern sich bereits der Fünf-Prozent-Schwelle – oder haben diese bereits erreicht. Laut Eurostat weist kein Land in Europa negative Inflationsraten auf – die gefürchtete Deflation (sinkende Preise) kein Thema mehr.

Inflationsgespenst: alles nur Panikmache?

Aber ist die hohe Inflation wirklich so schlimm? Das Ifo-Institut analysierte in ihrer Septemberstudie die Gründe für die hohe Inflationsrate in Deutschland. Laut Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser können hohe Inflationsraten signalisieren, dass die Preise aktuell stark steigen oder dass die Preise vor einem Jahr stark gesunken sind. Und da liegt möglicherweise der Hund begraben: Vor allem die temporäre Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte 2020 und der Absturz der Energiepreise während der Coronakrise hätten zu außergewöhnlich niedrigen Preisen im Jahr 2020 geführt – die jetzt naturgemäß wieder anziehen. Hat die hohe Inflation 2021 also vor allem mit der niedrigen Inflation im Pandemiejahr 2020 zu tun?

Inflation 2022: 2,5 % in Sicht

Nur teilweise! Bereiche wie Energie, Nahrungsmittel und Dienstleistungen weisen 2021 tatsächlich überproportionale Preisanstiege. Und wie sieht die Prognose für 2022 aus? Deutschland könnte – laut der Ifo-Studie wieder bei einem Inflationsniveau von 2,5 Prozent oder knapp darunter landen. Steigende Rohstoffpreise und die anhaltende Materialknappheit sind weiter Unsicherheitsfakten – der vorjährige Mehrwertsteuereffekt aber kein Thema mehr.

EZB: Gelassenheit und sanfte Entwöhnung

Wie reagiert die Europäische Zentralbank (EZB) in Sachen steigender Inflationsraten? Sie strahlt demonstrativ Gelassenheit aus. EZB-Präsidentin Christine Lagarde mutmaßte letzthin, vor allem die gestiegenen Energiepreise und allerhand Corona-Sondereffekte seinen für den Anstieg verantwortlich. Einzig ein kleiner Schritt in Richtung Normalisierung auf der Letzten Zinssitzung der EZB Anfang September: Das Corona-Notkaufprogramm PEPP wird im letzten Quartal leicht geringer ausfallen als bisher. Bedeutet: etwas weniger Ankäufe von Unternehmens- und Staatsanleihen, leicht gedrosselter Geldregen – das soll es für 2021 gewesen sein. Bei der Geldpolitik bleibt Lagarde hart. Die Leitzinsen bleiben unten.

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Immobilienbesitzer: weiter Gewinner der EZB-Politik

Diese Politik der EZB ist beileibe nicht unumstritten!  Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) benennt in ihrer jüngst veröffentlichten Studie Gewinner und Verlierer der anhaltenden Niedrigzinspolitik klar:

Verlierer der EZB-Politik: Finanzschwächere Haushalte, deren Vermögensbildung durch entwertete Sparguthaben und niedrig verzinste Lebensversicherungen massiv gestört wurde.

Gewinner der EZB-Politik: Immobilienkäufer, die vor dem Beginn der Nullzinspolitik ihr Haus oder ihre Wohnung erworben haben – sie profitieren von sinkenden Finanzierungskosten und steigenden Wertzuwächsen ihrer Immobilien.

Fazit: Günstiges Geld ist in Hülle und Fülle vorhanden und am Immobilienmarkt ist das knappe Angebot begehrt wie lange nicht: Jetzt einen Baukredit aufnehmen und bauen oder kaufen ist das Gebot der Stundedie Zinsen stimmen weiterhin!

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Zinskommentar im September 2021

Die Fed plant den Ausstieg aus den Anleihenkäufen Ende 2021. Die EZB sorgt trotz Rekordinflation für niedrige Zinsen. Im August bleiben die Bauzinsen uneinheitlich.

Inflation steigt – und die Zinsen?

Wie jedes Jahr trafen sich kürzlich die wichtigsten Geldpolitiker in Jackson Hole (US-Bundesstaat Wyoming). Die Rede von Jerome Powell von der Fed sogt stehts für eine gewisse Spannung, diesmal sollte die Geldpolitik der Fed die Schleusen des billigen Geldes sogar zusperren und der teilweise überschießenden Inflation den Kampf ansagen. So schlimm kam es dann doch nicht!

Leitzinsen: das plant die Fed 2021 vielleicht

Wenn Powell das Mikrofon ergriff, zittern meist die Börsen weltweit. Seine Rede zur amerikanischen Geldpolitik folgte jedoch einmal mehr der Prämisse: keine konkreten Nachrichten sind gute Nachrichten. Der Fed-Chef wies darauf hin, dass die Anleihenkäufe der Fed zum Ende des Jahres zurückgefahren werden. In welchem Umfang blieb jedoch unklar. Zudem will sich die Fed angesichts steigender Corona-Zahlen alle Optionen offenhalten. Also: Weiter so – das wirkt immer belebend auf den Dow Jones und das ist offenkundig der Zielmaßstab in den USA.

Zinsentwicklung: die EZB geht eine andere Richtung

Amerikanische Fed und Europäische EZB – das sind neuerdings zwei Paar Schuhe. Die steigende Inflation im Euroraum hätte ein Ausstiegsszenario aus der lockeren Geldpolitik für die EZB sein können (müssen). Mittelfristig wären auch die Bauzinsen gestiegen, die ja zu Beginn des Sommers 2021 je bereits angezogen hatten. Christine Lagarde zeigte sich bei der letzten Zinssitzung vor der Sommerpause aber außerordentlich – sagen wir mal: flexibel. Die Inflation darf künftig auch einmal etwas höher ausfallen, ohne für und Hektik zu sorgen. Die Geldpolitik der EZB wird also künftig auf einem langen, ruhigen Fluss dahinschaukeln. Prompt sanken auch die Bauzinsen wieder. Dennoch: Der Druck auf die EZB durch die steigende Inflation wird in den kommenden Monaten zunehmen.

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Umfrage: Immobilien sind die perfekte Altersvorsorge

Für Häuslebauer und Wohnungskäufer bleiben die Zinsen erst mal günstig. Dazu passt der Wunsch vieler Deutscher, sich ein Haus oder eine Wohnung zuzulegen. In einer aktuellen Kantar-Umfrage gaben drei Viertel aller Befragten an, dass sie in Immobilien die bestmögliche Geldanlage sehen. Vor zehn Jahren waren es knapp zehn Prozent weniger. Auch die Rolle der Immobilie als Altersvorsorge schätzen die meisten Deutschen als immer wichtiger ein. Knapp zwei Drittel der Befragten betrachten eine eigene Immobilie als die beste Altersvorsorge. Das glauben auch knapp 70 Prozent der Mieter.

Inflation: Goldman Sachs rechnet mit weiterer Steigerung

Europa-Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, Jari Stehn, nahm im Interview mit der F.A.Z. zur Krisenpolitik der EZB Stellung. Seiner Prognose nach werde die Zentralbank bereits Ende dieses Jahres zumindest die Anleihenkäufe im Pandemie-Krisenprogramm reduzieren. Das könnte ein erstes Signal dafür sein, dass auch die EZB den Krisenmodus verlasse. In Bezug auf die Inflation sieht er für Deutschland einen weiteren Anstieg voraus. Im Juli lag die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits bei plus 3,8 Prozent (Quelle: DESTATIS). Im November sagt Stehn eine Inflationsrate für Deutschland von 4,4 Prozent voraus.

Bauzinsen: der Traum vom Eigenheim bleibt leistbar

Ende August haben sich die Bauzinsen mit ihren verschiedenen Zinsbindungsfristen hauptsächlich seitwärts bewegt.:

  • Bauzinsen mit einer fünfjährigen Bindungsfrist kamen im Vergleich mit dem Vormonat nicht vom Fleck: 0,85 Prozent ist die Durchschnittsmarke.
  • Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung verharrten wie im Juli ebenfalls bei durchschnittlich 0,88 Prozent.
  • Auch die für 15 Jahre gebundenen Kredite vollzogen im August eine Seitwärtsbewegung. Mitte August gab es einen kleinen Minianstieg, am Ende des Monats kosteten diese Kredite erneut rund 1,20 Prozent.
  • Bei den langfristigen Bauzinsen mit einer Zinsbindungsfrist von 20 Jahren ging es im August um 0,01 Prozentpunkte auf durchschnittlich 1,38 Prozent bergab. Kaum der Rede wert.

Fazit: die Zinsen für Immobilienkredit bleiben weiter sehr günstig. Wer jetzt die passende Immobilie findet und es sich leisten kann, sollte eine Finanzierung in Betracht ziehen.

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Zinskommentar im August 2021

Gleich mal was Positives: Nach einigen Wochen steigender Bauzinsen wurden Immobilienkredite im Juli wieder billiger. Und ihr könnt darauf hoffen, dass dies noch eine ganze Weile anhält. Gute Zeiten für Häuslebauer also!

EZB – geheime Strategie vs. bittere Realität

Verantwortlich für die Mini-Zinswende ist einmal mehr unsere geliebte Europäische Zentralbank (EZB). Was macht man als EZB, wenn man jahrelang darüber lamentiert, dass die Inflationsrate zu niedrig ist und deshalb immer mehr Geld in die Wirtschaft pressen muss – und die Inflation steigt?

Man reagiert nicht und belässt die lockere Geldpolitik. Die Leitzinsen verharren auf Rekordtief, die seit Jahren praktizierten Anleihenkäufe gehen weiter! Das Gegenteil – was viele Kritiker der EZB fordern – es wird nicht geschehen!

November 2019: Als Christine Lagarde den Stab als EZB-Präsidentin von Mario Draghi übernahm, kündigte sie eine Überprüfung der EZB-Strategie an. Diese Überprüfung dauerte – Corona sei Dank – ewig. Eines der Ergebnisse ist nun Anfang Juli veröffentlicht worden: die angestrebte Inflationsrate solle nicht mehr unter, aber nahe zwei Prozent liegen. Ab sofort gilt also: symmetrisch und mittelfristig bei zwei Prozent. Aber ist das nicht dasselbe?

Den Kritiker platzt die Hutschnur: Letztlich bedeutet dieses neue Ziel, dass die EZB zukünftig nicht reagieren muss, wenn die Inflationsrate mal höher oder niedriger als das Zwei-Prozent-Ziel liegt, solange die Inflation um dieses Ziel symmetrisch herumpendelt. Prima!

„Strategiewechsel“ – es passt schon

Kritiker sagen, dass die EZB damit jeglichen Legitimierungsdruck von den Schultern wirft. Sie habe jahrelang ihr Ziel nicht erreicht, weil die wirtschaftlichen Entwicklungen anders verlaufen seien. Statt die Wirtschaft nun mit anderen Mitteln zu beeinflussen, passt sie einfach ihr Ziel an die gegebenen Umstände an. So ist es im Grunde nun die EZB, die von der Wirtschaft beeinflusst werde.

Was folgt? Die EZB rechtfertigt mit der neuen Strategie ihr Klammern an die bisherige Geldpolitik: Leitzinsen weiter bei 0,00 Prozent, Anleihenkäufe wie gehabt oder sogar noch beschleunigt, Geldentwertung still und heimlich über die steigende Inflation.

Betreibt die EZB jetzt Klimapolitik?

Aber Moment: Noch etwas treibt die Kritiker der EZB aktuell um. Deren heimlich Einmischung in Dinge, die gar nicht zu ihrem Aufgabenfeld gehören. Ab sofort arbeitet die Europäische Zentralbank nämlich auch gegen den Klimawandel und versucht Klimaschutzaspekte stärker in ihren geldpolitischen Handlungsrahmen einfließen zu lassen. Hä? Genau, das passiert, indem sie beispielsweise Anleihen von grünen Unternehmen in ihrem Portfolio priorisiert

Die Begründung wirkt für viele Beobachter ein wenig fadenscheinig: Weil Klimakatastrophen, wie etwa die Julifluten oder die derzeitigen Feuerkatastrophen die Ausgaben zur Rettung von Menschen und Existenzen erhöhten, würden hierdurch Preisniveau und Inflationsgefahr steigen. Das stimmt gewiss, aber gilt das nicht auch für andere wirtschaftliche Aktionen, die Preise und damit die Inflation beeinflussen? Neutral geht anders!

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Inflation – jetzt ist sie da

Unterdessen stieg die Inflation in Deutschland im Juli auf ein neues Rekordhoch. Das Statistische Bundesamt vermeldete ein Plus von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So eine hohe Inflationsrate gab es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in unserem Land. Allerdings gab es im letzten Jahr die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer infolge der Corona-Pandemie.

Dessen bereinigt, erhöhte sich die Inflationsrate im Vergleich zum Vormonat immerhin um 0,9 Prozent.

Immobilienkredite – die Gunst der Stunde nutzen!

Sparer verzweifeln längst an der der EZB-Politik. Minizinsen und Verwahrentgelte – wer sollte da noch Geld auf seinen Konten parken? Für Immobilienkäufer und Häuslebauer ist die Niedrigzinspolitik hingegen eine glatte Wohltat – wären da nicht die weiterhin horrend steigenden Immobilienpreise.

Dennoch: Ein Blick auf das Zinsbarometer zeigt – Immobilienkredit sind wieder sehr günstig. Zugreifen lohnt sich also …

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Zinskommentar im Juli 2021

Die Inflation klettert weiter. Das Statistische Amt der Europäischen Union – kurz Eurostat – meldet für den Euroraum eine Inflationsrate von 2,0 Prozent. Das ist der höchste Stand seit über zwei Jahren. In Deutschland waren es sogar 2,4 Prozent. Kein Wunder, dass die Baubranche in Deutschland boomt wie nie zuvor.

Preise steigen – bremst jetzt die EZB?

So steigen die Preise – vor allem bei der Energie – kräftig. Hier ging es auf europäischer Ebene um rund 13 Prozent nach oben. Das dauerhafte Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt weiterhin bei zwei Prozent. Daraus müsste nun eine neue, veränderte Geldpolitik folgen. Aber wird die EZB tatsächlich mit ihrer Politik der Geldschwemme Schluss machen und auf die Bremse treten? Eher kaum – in der letzten Zinssitzung Mitte Juni war davon noch nichts zu spüren.

Alles beim alten: Leitzins bei 0,00 – Verwahrgeld – Notprogramm PEPP

Die Leitzinsen verharren bei 0,0 Prozent und die Strafzinsen für Geschäftsbanken betragen weiterhin minus 0,5 Prozent. Folge: Sparer werden von Banken und Sparkassen flächendeckend mit Verwahrgeldern für ihre Einlagen auf Giro- und Sparkonten überzogen.

Auch das Pandemie-Notprogramm PEPP für den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen mit dem hohen Volumen von 1,85 Billionen Euro soll bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden – obwohl Corona aktuell auf dem Rückzug ist. Mit dem deutschen Bundesbankpräsident Jens Weidmann mehren sich die Stimmen auf Wandel und Verzicht: „Wenn der Notfall vorüber ist, für den das PEPP geschaffen wurde, muss es beendet werden.“ EZB-Chefin Christine Lagarde sieht diesen Moment aber noch nicht gekommen: „Es ist viel zu früh, um diese Themen zu debattieren“.

Leitzinserhöhung – was macht die Fed?

Sanfter Druck kommt derweilen aus den USA. Über dem Teich ist man nicht so zögerlich, wenn es um die Anhebung der Leitzinsen geht. In den USA lag die Inflationsrate im Mai sogar bei fünf Prozent – mehr als das Doppelte höher als in Deutschland oder der Eurozone. Fed-Chef Jerome Powell sieht das Ganze gelassen. Im Repräsentantenhaus verteidigte er seine Geldmarktpolitik. Vor allem die hochdrehende amerikanische Wirtschaft, die hohe Nachfrage und das geringe Angebot seien für diese Inflationsspitzen verantwortlich: „Diese Faktoren werden mit der Zeit verblassen und wir erreichen wieder unser Ziel. Wir beobachten das sorgfältig.“

Kurzfristig will die Fed also die Nullzinspolitik fortführen – mit einem Zielkorridor für Zinserhöhungen. Für das Jahr 2023 hält die Fed zwei Zinsanhebungen für möglich. Die Inflation sieht man Ende 2021 bei 3,4 Prozent, im kommenden Jahr bei 2,2 Prozent.

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Quelle: Nicole Mutschke – Die TV-Rechtsexpertin / YouTube

Verwahrentgelte – das Anlagetrauma deutscher Sparer

Für Anleger hierzulande könnten Nullzinsen, Strafzinsen für Banken und Verwahrentgelte auf Einlagen bald zum echten Trauma werden. Die Zinsen für Tages- und Festgeld sinken seit Wochen. Selbst Sparer, die auf europäische Sparangebote ausweichen, erwarten mickrige Zinsen. Eine ganze Anlageklasse vor dem Aus? Rein in Aktien?

Dieses Szenario gab es schon einmal, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigt. Die Volks-T-Aktie der Telekom Mitte der 1990er-Jahre ist jedem in Erinnerung. Die große Lust der Deutschen auf Aktien in den 1990ern, das boomende Internet, die New-Economy, das Aufblühen der Dotcom-Unternehmen beflügelten einst den Hype. Binnen zehn Jahren verdoppelte sich die Aktienquote der Deutschen auf 40 Prozent. Und heute?

Statt sparen: kaufen, kaufen, kaufen

Was die Sparer verzweifeln lässt, freut Kreditnehmer. Die Baukredite sind noch immer historisch günstig – trotz jüngst zaghafter Anstiege. Es lohnt sich immer noch, einen langen Baukredit – etwa als Vollfinanzierung der Immobilie – zu günstigen Zinskonditionen aufzunehmen. Auch Käufer oder Bauleute mit einer bevorstehenden Anschlussfinanzierung sollten sich jetzt vor Auslaufen der alten Finanzierung bei der Bank melden und die neuen Konditionen sichern. Forward-Darlehen sind derzeit wieder attraktiv.

Mickrige Kapitalzinsen, günstige Baufinanzierungen, lukrative Forward-Darlehen: Derzeit stehen alle Zeichen auf Kaufen und Weiterfinanzieren. Jetzt alle Immobilien kaufen? Wer es sich leisten kann!

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Zinskommentar im Juni 2021

Trendbruch bei den Immobilienzinsen? Kein Faktor beeinflusst derzeit die Prognosen bei den Bauzinsen so wie die Inflationsrate. Diese steigt seit Monaten und könnte Bauen und Kaufen bald deutlich teurer machen.

Wer aktuell einen Wohnungs- oder Hausbau plant, merkt sehr deutlich an die Warnungen der Haushersteller, Bauträger und Bauunternehmer: Die Verknappung von Rohstoffen, Baumaterialien und insbesondere Kunststoffen, Holz und Sand führt zu Verzögerungen – und bei neuen Verträgen auch zu teils exorbitanten Preiserhöhungen. Konjunkturzuschläge treiben seit Wochen Baupreise und Immobilienfinanzierungen in die Höhe.

Stagflation – die Angst nach Corona

In Deutschland lag die Inflation im April bei rund zwei Prozent. Seit Januar ist sie jeden Monat im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Steigende Rohstoff- und Energiepreise waren dafür maßgeblich verantwortlich. Laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel rechnen die Währungshüter auch in Deutschland durchaus mit einer Inflation jenseits der 3-Prozent-Marke. So mancher Manche beschwört sogar das Schreckgespenst der Stagflation.

Stagflation bedeutet Stagnation und Inflation zugleich: Die Wirtschaft stagniert, während die Preise gleichzeitig ansteigen. Notenbanken müssten die Leitzinsen anheben, um die Inflation zu reduzieren. Das allerdings würde der Wirtschaft Geld entziehen und das kleine, sich endlich abzeichnende Pflänzchen Wirtschaftswachstum glatt wieder verdorren, ehe es Corona hinter sich gelassen hat.

Entscheidend ist die Inflation der Eurozone

Aktuell denkt die Europäische Zentralbank (EZB) dennoch an keine Anhebung der Zinsen. Ihre Geldpolitik wird aber bei der kommenden Zinssitzung im Juni wieder auf dem Tagesplan stehen – und das dürfte spannend werden.

In der Eurozone lag die Inflationsrate im April noch bei 1,6 Prozent. Dennoch gab es bereits Effekte auf die Bauzinsen: Banken in Deutschland erhöhen allerorts ihre Zinsen fürs Bauen und Kaufen. Bisweilen in homöopathischer Dosis, doch die Zinsbarometer bei Immobilienkrediten kennen eine klare Richtung: nach oben. Und dies könnte sich in naher Zukunft deutlich beschleunigen.

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Quelle: Jonas Milenovic / YouTube

Kurs und Rendite bei den Anleihen

Die Bauzinsen der Banken folgen indirekt dem Leitzins der EZB. Deren Zinsentscheidungen wirken aber auch auf die Attraktivität von Staatsanleihen. Je mehr Menschen Anleihen kaufen möchten, desto höher steigt ihr Kurs und desto tiefer sinkt ihre Rendite. Aber warum? Weil bei deren Rückgabe immer der bei Ausgabe vereinbarte Nominalwert zurückgezahlt wird. Es ist also nicht wie bei Aktien, wo zum Verkaufszeitpunkt der aktuell gültige Kurs ausgezahlt wird. Anders als Aktien haben Anleihen ein eingebautes Verfallsdatum. Wollen zwischen Ausgabezeitpunkt und Rückgabezeitpunkt mehr Käufer eine Anleihe erwerben, verkaufen manche die Anleihen an der Börse – aber dann natürlich zu einem höheren Kurs als dem Nominalwert.

Das schmälert die Rendite, wenn die neuen Anleihenbesitzer ihre Anleihen zum Endzeitpunkt zurückgeben. Dann bekommen sie nur den Nominalwert ausgezahlt. Haben Sie ihre Anleihen nicht zum Nominalwert 100 Prozent gekauft, sondern etwa für 101 Prozent, haben sie einen Prozent Verlust gemacht.

Dennoch: Die jährlichen Zinszahlungen bleiben bei festverzinslichen Anleihen über die gesamte Laufzeit konstant – und das macht sie dann häufig doch besonders attraktiv.

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Zinskommentar im Mai 2021

Die durch Corona noch verstärkte Lust der Deutschen aufs Eigentum ist ein wahres Fest für Anbieter von Baukrediten. Das Dilemma der Käufer: Zinsen sind niedrig, Eigenkapital oft Mangelware. Und die EZB bleibt still – noch. Unser Kommentar im Mai 2021.

Die Zinsen waren und sind niedrig, und Covid-19 befeuert sogar Baufi-Boom. Mit einem Volumen von knapp 1,4 Billionen Euro waren Kredite für den Immobilienerwerb die größte Kreditkategorie in Deutschland. Baufinanzierungen stellen mittlerweile deutlich mehr als 40 Prozent aller vergebenen Kredite – weit vor Unternehmenskrediten.

Höchste Baukredite seit fast 15 Jahren

2020 wuchs der Kreditbestand um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – der höchste Zuwachs der letzten 15 Jahre. High und Low waren bisher das Jahr 2019 mit einem Wachstum von 5,7 Prozent und das Jahr der Finanzkrisen 2008 mit minus 0,9 Prozent. Interessant ist der Blick auf die einzelnen Bundesländer: In der Hauptstadt Berlin legten die Kredite mit 9,6 Prozent 2020 am stärksten zu. In Bremen dagegen lag das Kreditwachstum 2020 lediglich bei 3,6 Prozent.

Immobilienkauf: nicht mehr, aber teurer

In Berlin wurde also mehr Eigentum erworben wie sonst nirgends? Eher nicht! Denn der Anstieg des Neugeschäfts hat viel mit dem Preisanstieg auf den Immobilienmärkte zu tun. Es wird wohl nicht mehr gekauft oder gebau, dafür aber teurer.

Eine Folge des knappen Angebots und weiterer Gewinnspekulationen. Für viele Käufer ist die aktuelle Marktsituation eher ein Dilemma: In den vergangenen Monaten hatten die Immobilienzinsen leicht angezogen. Kredite wurden sogar teurer, gleichzeitig fehlt vielen das nötige Eigenkapital, um zumindest die Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notargebühren und Maklerkosten zu bezahlen.

Finanzierung: günstige Zinsen, aber kaum Eigenkapital

Für Nebenkosten Kapital zu bilden war schon in den vergangenen Jahren nicht einfach – und heute? Die Nullzinspolitik der EZB beeinflusst weiterhin nicht nur die Bauzinsen, sondern ebenso die Guthabenzinsen. Mit Festgeld, Tagesgeld, Sparplänen und Co. Lässt sich nicht mehr viel verdienen. Das zurückgelegte Geld für die Traumimmobilie will nicht mehr werden – wirklich vermehren lässt es sich nur noch an der Börse – mit bekannten Risiken.

Wer seine Aktien, Fonds oder ETFs beispielsweise Mitte 2020 zu Eigenkapital machen wollte, hatte den falschen Moment erwischt: Nach dem Ausbruch der Pandemie fielen die Aktienkurse ins Bodenlose – auch, wenn du dein Geld auf weltweite, breit streuende Indizes gesetzt hast, wäre am Ende ein Minus geblieben. Heute sieht es zum Glück wieder besser aus: Seit Dezember 2020 haben sich die meisten Kurse wieder vollständig erholt.

Interhyp Umfrage: Familie, Freunde und Co. als Geldgeber

Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp hat in einer Umfrage herausgefunden, dass mittlerweile rund ein Drittel ihren Immobilienkauf ohne finanzielle Hilfe von Familie oder Freunde nicht durchführen können. 36 Prozent dieser Käufer hätten den Immobilienkauf ohne den Einsatz einer Erbschaft nicht stemmen können. 25 Prozent nutzten eine Schenkung und 23 Prozent erhielten einen privaten Kredit.

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EZB, Kanada und die Zinsen – der kurze Ausblick

Von der EZB ist indessen wenig zu erwarten. Wie die amerikanische Fed hält sie den Ball flach. Auch das Gespenst der Inflation scheint weder Jerome Powell noch Chefin Christine Lagarde zu schrecken. Die wirtschaftlichen Aussichten bleiben vorerst weiter eingetrübt und würgt damit jede Hoffnung auf einen baldigen Kurswechsel der Geldpolitik in der Eurozone ab.

Einzig die kanadische Notenbank scheint sich gegen den Trend zu stellt. Kanadas Impfpolitik ist so erfolgreich, der Arbeitsmarkt erholt sich und die Konjunkturaussichten sind so optimistisch, dass sie erste Ausbruchsversuche aus der Politik der offenen Geldschleusen wagt. Erst mal werden die Anleihenkäufe um eine Milliarde reduziert – und bald vielleicht sogar die Leitzinsen erhöht?

Wir Verbraucher dürfen jedenfalls gespannt sein – auch was die nächste EZB-Zinssitzung am 10. Juni bringt!

Zinskommentar im April 2021

Corona bremst weiter die Welt. US-Präsident Biden erweist sich als stiller Macher – Billionen schwer. Und was läuft in Europa? Unser neuer Zinskommentar - erstmals im April 2021.

USA & Fed – die Geldschleusen bleiben offen

Beispiellos in der US-Geschichte: Wen wundert es beim Zwei-Billionen Konjunkturprogramm des neuen US-Präsidenten Joe Biden, dass auch Fed-Chef Jerome Powell Action zeigen möchte. Die Fed prognostiziert 2021 eine brummende Wirtschaft. Waren es im Dezember 2020 nur 4,2 Prozent, so erwarten die oberen Währungshüter der USA jetzt einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 6,5 Prozent. Gut für Aktionäre: Der Dow Jones erreichte bereits Mitte März ein neues Rekordhoch.

In ihrer letzten Zinssitzung machte die Fed zudem klar: Die Geldschleusen bleiben weiter geöffnet, zunächst wohl mal bis 2023. Der Leitzins liegt in den USA weiterhin zwischen 0,00 und 0,25 Prozent. Auch eine überschießende Inflation wird an dieser expansiven Geldpolitik nichts verändern, das machte Powell bereits am 17. März deutlich. Statt 1,8 Prozent wie im Dezember 2020 zeichnet sich aktuell bereits eine Inflationsrate von 2,4 Prozent ab.

Deutschland & EU – die Inflation steigt deutlich

Das Schreckgespenst Inflation ist auch in der Eurozone noch lange nicht verschwunden. Spüren kannst Du die Inflation beispielsweise an der Tankstelle: In Deutschland wird die Fahrt zur Zapfsäule derzeit besonders teuer. Rund 1,30 Euro kostete der Liter Super zum Jahreswechsel 2021 / 2021. Und nun? Aktuell laufen rund 1,55 Euro Liter Supersprit aus der Geldbörse – satte 20 Prozent mehr. Auch in fast allen anderen Konsum-Bereichen ziehen die Preise deutlich an. Nach monatelangen Inflationsraten um den Minusbereich herum lag die Inflation im Februar im Euroraum bei 0,9 Prozent und in Deutschland gar schon bei 1,6 Prozent.

Nicht wenige Experten erwarten sogar, dass die deutsche Inflation 2021 auf bis zu drei Prozent klettern könnte. Zu dieser Fraktion gehört etwa Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, der auch Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Andere meinen, dass sich die Inflation spätestens im Sommer wieder auf ihr altes Niveau begeben hat. Wir werden sehen und es in unserem Portemonnaie spüren.

EZB & Verbraucher – man soll weiter flexibel bleiben

Und was die Europäische Zentralbank (EZB) zu alledem? Für ihre Chefin Christine Lagarde gibt es aktuell offenbar keinen Handlungsbedarf. Dass die Inflation in der Eurozone steigt, kommt ihr sogar gut gelegen. Schließlich ist es seit jeher ohnehin das Ziel der EZB, die Inflation knapp unter der Zweiprozent-Marke zu halten. Auf der letzten EZB-Zinssitzung am 11. März kündigte Lagarde allerdings ein höheres Tempo beim Aufkauf von Anleihen an.

Das Corona-Krisenprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) wird zwar nicht vergrößert, aber das Timing der Anlagenkäufe flexibel gehandelt. Und da waren in der Woche der Zinssitzung eben mal 21 Milliarden dran, statt der 14 Milliarden davor. Von einer Änderung der Leitzinsen spricht jedenfalls derzeit niemand mehr.

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Uns Kreditnehmer und potenzielle Immobilienkäufer kann das alles nur gefallen, da die Niedrigzinspolitik zumindest indirekt die Konsum- und Bauzinsen beeinflusst – sprich: weiter extrem niedrig hält.

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